nachhaltiges Bauen im Bestand


Gesamtkonzept als Planungsstrategie


Um bestehende Gebäude sinnvoll und zielorientiert zu sanieren, müssen langfristige und nachhaltige Konzepte und Strategien ebenso entwickelt werden, wie eine individuelle und sorgfältige Betrachtung jedes einzelnen Bestandsgebäudes. So können im Vorfeld bereits grundlegend Ausmaß und Nutzen und Kosten einer Sanierung bzw. Modernisierung geklärt werden.  Zu diesem Zeitpunkt sollte auch generell untersucht werden, werden, ob ein Rückbau des betreffenden Gebäudes umfassend und nachhaltige gesehen, sinnvoller sein kann.
Generell darf das Augenmerk nicht nur auf der energetischen Sanierung und Modernisierung liegen, sondern muss ebenso typologische, nutzungsbedingte, ästhetische und funktionale Kriterien mit einbeziehen. So werden Bauherren und Nutzer später in die Lage versetzt, Veränderungen flexibel und kostengünstig durchführen zu lassen und so auch langfristig Ressourcen zu sparen.
Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein Gesamtkonzept der Planung, das für den Bauherrn den größtmöglichen langfristigen Nutzen und Wert seines Bauobjektes bedeutet. Bevor mit der Planung begonnen werden kann, ist es notwendig, die Baustruktur und die Konstruktionsart des Bestandsgebäudes so genau wie möglich zu erfassen. Da dies oftmals am Bau selber nur eingeschränkt möglich ist, sollte verstärktes Augenmerk auf Planungsunterlagen aus der Zeit des ursprünglichen Neubaus gerichtet werden. Dies können zum Beispiel alte Planzeichnung, Baubeschreibungen, historische Fotos, Abrechnungen von Firmen und zur Bauzeit gültige DIN-Normen sein.  Bei größeren Objekten, oder Objekten älteren Datums existieren oftmals verschiedene Planungsstände und Unterlagen zu bereits erfolgten Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen.
Zusätzlich können gegebenenfalls im Vorfeld Erfahrungswerte zu vom Errichtungszeitpunkt abhängigen Baustoffen, Baumängel und Schadstoffen herangezogen werden, die dabei helfen, den Fokus im Vorhinein bereits auf bestimmte Merkmale und Probleme des Baus zu richten.
Auch das Erfassen vergangener Funktionen, Nutzungen und Zwischennutzungen eines Bestandsbaus gibt hilfreiche Aufschlüsse auf die Beschaffenheit des Gebäudes.
Das Gebäude wird hierbei während seiner gesamten „Lebenszeit“ betrachtet, d.h. für den Bauherren und Architekten sollten die Herstellungskosten des Gebäudes ebenso wichtig sein, wie die Betriebs- und Unterhaltskosten und später eventuelle Reparatur- und Umbaukosten.
Auf diese Weise zieht der Bauherr einen langfristigen Nutzen aus der Planung, weit über den eigentlichen Hausbau hinaus.
Die langfristige Betrachtung eines Gebäudes, über seinen Herstellungszeitraum hinaus wird bis hin zu Umnutzung oder Abriss auch als „Lebenszyklusbetrachtung“ bezeichnet.

Nutzungskonzept

Zielorientierte Nutzungskonzepte für Bestandsgebäude, sollten vorhersehbare Veränderungen berücksichtigen, um so entweder den Bauherren langfristige Umgestaltung seiner Wohnumgebung unkompliziert zu ermöglichen, oder den Wert eines Gebäudes für eventuelle Nachnutzer zu steigern. Hilfreich können hierbei in jedem Fall Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten und städtische Entwicklungen oder auch Erfahrungen mit in der Nähe befindlichen Vergleichsobjekten sein.   
Zu einem sinnvollen Nutzungskonzept gehören energietechnische, baukonstruktive und ästhetische Teilkonzepte ebenso wie bereits im Vorfeld Untersuchungen hinsichtlich der infrastrukturellen und bau- und immobilientypologischen Lage.



nachhaltige Architektur
- Beeinflussbarkeit des gesamten Gebäudezyklus-

 

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Energiekonzept



Das Erzeugen eines behaglichen Innenklimas eines Gebäudes kann auf zwei Arten erreicht werden.
1. Durch ein Passivkonzept, wie Wände zur Wärmespeicherung, Lamellen zu Verschattung o.ä.,  wird mit baulichen Maßnahmen auf das Außenklima reagiert, das Innenklima jedoch nicht direkt und aktiv beeinflusst. Einige der baulichen Maßnahmen sind bereits in Gebäuden aus vergangenen Jahrhunderten zu finden, als die heutigen Technologien zur mechanischen Gebäudeheizung und -kühlung noch nicht erfunden waren. Der Vorteil eines Passivkonzeptes ist ein deutlich geringerer Energieverbrauch, als bei aktiven Maßnahmen zur Klimatisierung.  
2. Mittels Anlagentechnik, wie Heiz- oder Kühlanlagen, kann das Innenraumklima in jeder beliebigen Form verändert werden. Je weniger das bauliche Konzept auf die Veränderung des Außenklimas reagieren kann, umso mehr Energie muss durch aktive Energiezufuhr aufgewendet werden, um die Ansprüche des Nutzers zu befriedigen. 
Dies ist insbesondere beim Umgang mit Bestandsbauten vor 1980 zu berücksichtigen. Bei diesen Bauten älteren Datums liegt eine zentrale Herausforderung in dem Ziel, durch Eingriffe in die mangelnden baulichen Vorraussetzungen ohne eine massive aktive Klimaregelung den heutigen Ansprüchen an das Raumklima gerecht werden. Um den Energiebedarf für eine aktive Klimatisierung so gering wie möglich zu halten, sollte ein möglichst hoher, energetischer Zusatznutzen jedes baulich-konstruktiven Elementes angestrebt werden. Bei Altbauten mit massiven Bauteilen können sich die Vorteile dieser Bauweise gegebenenfalls in erheblichem Masse zu Nutze gemacht werden. (z.B. Bauteilaktivierung)


Konstruktionskonzept



Da Baustoffe unterschiedlich begrenzte Lebenserwartungen haben, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, wie die Demontage zwecks Austausches möglichst ressourcensparend durchgeführt werden kann. Hierzu empfiehlt sich generell die räumliche Gliederung der Bausstoffe nach zu erwartender Lebensdauer, um beim Versagen eines Bauteilelementes oder Baustoffes nicht zeitweilig ganze Bauelemente demontieren zu müssen. Im Speziellen ist auf die Herstellung von lösbaren Verbindungen zu achten, die zu mehrmaliger Demontage geeignet sind. Für den eventuellen Rückbau des Gebäudes sind folgende Rückbaustufen nach der Lebensdauer der Bauteile zu berücksichtigen: Rohbau ca. 80 Jahre, Fassade 30 Jahre, Installation 20 Jahre. Gebäude mit einer offenen Grundrissstruktur und einem Innenausbau in Leichtbauweise sind generell besser umzunutzen und zu verändern. Bei mehrgeschossigen Gebäuden ist außerdem die Frage nach der Erschließung zu stellen, die gegebenenfalls geschossunabhängig auszuführen ist. Insbesondere beim Bauen im Bestand hat das zielorientierte Aufspüren und Überwinden von Schwachstellen wie Wärmebrücken und mangelnde Wind/Luftdichtigkeit eine hohe Priorität. Bei Neubauten und bei Sanierungen sollte Wert auf das Ausbilden einer leistungsfähigen Gebäudehülle gelegt werden, die auch zukünftigen, eventuell steigenden Komfortansprüchen Rechnung trägt. Eine nachträgliche Verbesserung der Hülle ist im Allgemeinen mit einem hohen Aufwand verbunden. Eine größtmögliche Einsparung an Material bei der Konstruktion sollte selbstverständlich sein, wobei aber die Auswirkungen einer massearmen Bauweise auf Raumklima, Schallschutz und Brandschutz bedacht werden müssen. Eine intelligente Planung bei der Sanierung sollte, so weit wie möglich die Qualitäten der vorhandenen Bauteile ausnutzen und auf diese Weise Einsparungen bei der zusätzlichen Konstruktion und Baumasse schaffen. Hierbei ist ein Verständnis und eine eingehende Untersuchung der Tragstruktur des Bestandsgebäudes unumgänglich.
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